Wieso Industrieboden?

Alles eine Frage der Beanspruchung: Industrieböden sollen Alleskönner sein. Daraus wird Wunschdenken, wenn die technische Ausstattung nicht zur späterenNutzung passt.
Der Begriff „Industrieboden“ bezeichnet Fußböden, die vielfältigen industriellen Nutzungen unterworfen sind. Solche Nutzungen liegen bei Lagerflächen, Produktions-/Werkhallen, Betriebsräumen sowie Laboratorien vor. Innerbetriebliche Transportwege sind auch Industrieböden.
Dabei stellt sich die Frage, ob der Fußboden in einem Supermarkt oder Parkhaus als Industrieboden bezeichnet werden kann. Im weitesten Sinne können alle Fußböden, die nicht im Wohnraum oder für ähnliche Zwecke (z.B. Büros) genutzt werden, dem Feld der
Industrieböden zugeordnet werden. So vielfältig das Einsatzgebiet ist, so vielfältig sind die Anforderungen, die an diesen Fußbodentypus gestellt werden.
Industrieböden müssen eine für die vorgesehene Verkehrsbelastung ausreichende Tragfähigkeit aufweisen. Sie müssen ausreichend verschleißfest sein, wenn sie mit
Flurförderzeugen befahren werden. In Fahrgassen von Hochregallagern sind besonders ebene Fußböden erforderlich. Je nach Einsatzgebiet müssen Industrieböden beständig sein, wenn sie mit diversen Chemikalien und/oder Lösungsmitteln in Kontakt kommen.
In explosionsgefährdeten Räumen oder in Produktions
– und Lagerhallen für elektronische Geräte muss der Fußboden ableitfähig ausgeführt werden.
Beim Umgang mit wassergefährdenden Stoffen ist durch den Fußboden sicher zu
stellen, dass die Stoffe nicht ins Grundwasser gelangen können.
Wenn außer der industriellen Nutzung Aufenthaltsräume wie Büros im selben Gebäude untergebracht sind, kann es nötig sein, den Fußboden schalldämmend auszuführen.
Anforderungen an die Wärmedämmung treten auf; der Industrieboden kann zur Beheizung genutzt werden. In Arbeitsbereichen muss der Fußboden rutschsicher
ausgeführt werden. Diese Liste könnte erweitert wer den. Sie zeigt, dass Industrieböden vielen Beanspruchungen ausgesetzt sind und spezielle Eigenschaften abdecken
müssen, die im Einzelfall bei der Auswahl des geeigneten Fußbodens zu berücksichtigen sind.
Normativ ist der Einsatz von Industrieböden nur für Industrieestriche in DIN 18560-7 „Estriche im Bauwesen – Teil 7: Hochbeanspruchbare Estriche
(Industrieestriche)“ geregelt. Die Norm enthält Angaben zu Magnesia-, Gussasphalt-, Kunstharz- und zementgebundenen Hartstoffestrichen.
Außer den genannten Estrichen können kunstharzmodifizierte Zementestriche und Bitumenemulsionsestriche, abhängig von der Beanspruchung des Fußbodens, zur Anwendung
kommen. Häufig werden monolithische Betonböden, in der Regel in Verbindung mit Oberflächenvergütung (Hartstoffeinstreuung oder Hartstoffestrich) oder als Stahlfaserbeton, eingesetzt.
Industrieböden aus Reaktionsharz (Epoxidharz, Polyurethanharze,Methylmethacrylatharze, ungesättigte Polyesterharze) werden in Abhängigkeit von den
Erfordernissen als Imprägnierungen, Versiegelungen oder Beschichtungen/Beläge auf unterschiedlichen Untergründen genutzt. Beim Umgang mit wassergefährdenden
Stoffen werden rissüberbrückend eingestellte Beschichtungen verwendet. Keramische Beläge oder Bodenklinkerplatten werden für die Herstellung von Industrieböden
verwendet; Anwendungsgebiete sind Rüttelböden in Supermärkten, Fliesenbeläge in Autowerkstätten. In speziellen Fällen können Elastomerbeläge, Holzpflaster sowie
Hohlraumböden für industrielle Zwecke eingesetzt werden. Daneben werden von verschiedenen Anbietern Spezialprodukte, die für industrielle Nutzung geeignet sein
sollen, angeboten. Diese Liste zeigt die Vielzahl der für Industrieböden einsetzbaren Materialien. Für die Planung eines Industriebodens ist es unerlässlich, die zu erwartenden
Beanspruchungen, die während der Nutzung, aber auch während der Bauphase auftreten, zu erfassen. Bei der Auswahl des dafür geeigneten Fußbodens sind die
speziellen Eigenschaften der Materialien zu berücksichtigen. Möglicherweise muss man Kompromisse eingehen, da nicht immer alle Anforderungen
von ein und demselben Material abgedeckt werden können. Beispielsweise kann ein Fußboden mit Reaktionsharzbeschichtung per Abstreuung sehr rutschsicher ausgeführt
werden, die Reinigungsfähigkeit ist aber eingeschränkt. Planer und Nutzer müssen sich über die zukünftige Beanspruchung abstimmen und dieentsprechenden Anforderungen
an den Industrieboden festlegen. So unterschiedlich die Beschaffenheit von Industrieböden ist, so vielfältig sind dieSchäden, die bei Industrieböden auftreten können. Dabei ist jeder Schadensfall für sich
zu betrachten. Eine vollständige Übersicht über mögliche Schäden an Industrieböden ist nicht möglich.